Reformhaus Halle e.V.  und Friedenskreis Halle e.V.  präsentieren die neue Ausstellung der
Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., die durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert wurde:

Wir müssen schreien, sonst hört man uns nicht!
Frauenwiderstand in der DDR der 1980er Jahre


1. April 2014  bis  31. Mai 2014;  Montag  bis  Freitag;  9  bis  20 Uhr
Reformhaus Halle,   Große Klausstraße 11,   Treppenhaus


Die Ausstellung, die auch einige Bezüge zu Halle aufweist, ist tagsüber zu sehen im Treppenhaus im Reformhaus Halle.

Die Plakatausstellung zum Frauenwiderstand in der DDR erzählt „eine Geschichte vom Sprechen lernen, Verantwortung übernehmen, von Solidarität und der Verteidigung der Menschenwürde in einer Gesellschaft, die von Willkür und Lüge beherrscht wurde“. So beschrieb Bärbel Bohley im Rückblick eine Widerstandsgeschichte, die vor nunmehr dreißig Jahren begann.


Anfang der 1980er Jahre gründen Frauen im Osten Deutschlands Oppositionsgruppen, die sich DDR-weit vernetzen und mit Protestaktionen die Öffentlichkeit suchen. Sie stellen sich dem SED-Regime entgegen und wehren sich gegen die zunehmende Militarisierung aller Lebensbereiche.
Die ostdeutschen Frauen für den Frieden sind damit Teil der europäischen Friedensbewegung.


Über Ländergrenzen und Militärblöcke, über den Eisernen Vorhang hinweg verbündet sich eine von Frauen getragene Protestbewegung gegen die atomare Rüstungsspirale.

Gleichzeitig drängen Umwelt- und Menschenrechtsfragen nach Antworten, die in der DDR scheinbar gewährte Gleichberechtigung wird hinterfragt, Willkür und Repression werden angeprangert. Es entwickelt sich eine Frauenbewegung in der DDR, die am Entstehen der
Bürgerbewegung und der Freiheitsrevolution von 1989 beteiligt ist.


Weitere Materialien und Informationen zur Ausstellung unter:
www.havemann-gesellschaft.de



DIE KURATORINNEN

IRENA KUKUTZ
Irena Kukutz wurde 1950 in Parchau geboren und ist in Berlin aufgewachsen. 1969 bis 1974 studierte sie an der Kunsthochschule Berlin. Danach arbeitete sie als freischaffende Keramikerin. 1982 gehörte sie zu den Initiatorinnen der Ostberliner Gruppe „Frauen für den Frieden“. 1989 engagierte sie sich von Beginn an in der Bürgerbewegung Neues Forum. 1991 bis 1995 war sie Abgeordnete der Parlamentarischen Gruppe „Neues Forum/Bürgerbewegung“ im ersten Gesamtberliner Abgeordnetenhaus. Seit 1997 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Robert-Havemann-Gesellschaft. Sie veröffentlichte mehrere Bücher zur Opposition in der DDR.

TINA KRONE
Tina Krone wurde 1957 in Haldensleben geboren, kam 1975 zum Studium nach Berlin und arbeitete hier ab 1982 als Lehrerin. In jenem Jahr begann auch ihr Engagement in verschiedenen Zirkeln und Gruppen der Opposition, darunter bei den Frauen für den Frieden. Als Lehrerin durfte sie ab 1985 nicht mehr arbeiten, sie wurde im Schulhort eingesetzt. Im September 1989 trat sie dem Neuen Forum bei.
Von 1990 bis 1992 arbeitete sie als Redakteurin bei der Wochenzeitung „die andere“ und seit 1992 als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Leiterin des Archivs in der Robert-Havemann-Gesellschaft. Sie gehörte zu den Kuratoren der Ausstellung „Friedliche Revolution 1989/90“.

STEFANIE WAHL
Stefanie Wahl wurde 1968 in Dresden geboren. Nach dem Mauerfall studierte sie in Freiburg und Hamburg Germanistik, Soziologie und Europäische Ethnologie. 2002 kam sie nach Berlin und entwickelte eine Ausstellung zum Volksaufstand vom 17. Juni 1953. 2003 gründete sie das wahl_büro, mit dem sie seither als selbständige Ausstellungskuratorin und Autorin Konzepte und Ausstellungen zu zeitgeschichtlichen Themen entwickelt. Unter anderem war sie als Kuratorin an der Ausstellung „Friedliche Revolution 1989/90“ beteiligt, die 2009/2010 auf dem Berliner Alexanderplatz gezeigt wurde. Eines ihrer letzten großen Projekte war die im Sommer 2010 eröffnete Dauerausstellung für das Grenzlandmuseum Eichsfeld.  

Frauenwiderstand in der DDR

Eine von den Frauen getragene neue Protestbewegung wächst Anfang der 1980er Jahre innerhalb der europäischen Friedensbewegung. Unter dem Namen Frauen für den Frieden entstehen Gruppen, die sich über Ländergrenzen und Militärblöcke hinweg gegen den Wahnsinn der Aufrüstung mit Atomwaffen verbünden. Auch im Osten Deutschlands werden eigenständige Frauengruppen gegründet, die sich DDR-weit vernetzen und mit eindrucksvollen Protestaktionen die Öffentlichkeit suchen.
In 17 Städten der DDR engagieren sich Frauen gegen die Sicherheitspolitik des SED-Regimes und die zu nehmende Militarisierung, die in alle Lebensbereiche hineinwirkt. Im Laufe der Jahre wird die Themen- palette erweitert: Umwelt- und Menschenrechtsfragen drängen nach Antworten, in der DDR scheinbar gewährte Gleichberechtigung wird hinterfragt, Willkür und Repression werden angeprangert.
Es entwickelt sich eine Frauenbewegung in der DDR, die nicht zuletzt am Entstehen der Bürgerbewegung von 1989 beteiligt ist.